#Würde ist der attraktivere #Aufschrei

Sicher, ich habe den #Aufschrei gehört, bzw. eher gelesen. Er war ja auch kaum zu überhören, respektive: zu überlesen. Diese riesige Diskussion, hervorgerufen durch Rainer Brüderles Kommentar zur Dirndlfähigkeit einer Journalistin.

Und ich war erstaunt, schockiert fast schon über die Wucht, mit der er sich Bahn brach, eruptierte, in Hasstiraden kumulierte, ja, genaugenommen: über das männliche Geschlecht ejakulierte.

Hiermit möchte ich zu #Würde aufrufen!

Männer stehen auf Frauen. Männer mögen Brüste. Männer bejubeln Hintern. Männer feiern Sex. Nicht immer alle, nicht immer alles. Aber viele vieles.

Und das ist: Gut so! Denn Frauen lieben Männer, die ihre Brüste, ihren Hintern und den gemeinsamen Sex vergöttern. Und wenn Männlein und Weiblein keinen Weg zueinander fänden, dann wäre das sehr bedauerlich.

Gut also auch, dass es die Mechanik des Flirtens gibt. Zweideutigkeiten, Anmachen, Komplimente zum Starten des Systems; Schminke, Gel und kurze Röcke, um das System zu befeuern – hach, wie traurig wäre das Leben ohne.

Das Interesses am anderen Geschlecht finde ich großartig, für mich ist es Sexismus in seiner ursprünglichsten Form: Die Wahrnehmung der Geschlechtlichkeit eines anderen Menschen. Wie sonst sollte man sich zu Nähe & Intimität  zusammen finden?

Bedauerlich ist es, wenn auf dieser sehr bilateralen Stufe des Kennenlernens und Anbandelns daneben gegriffen wird: Peinliche Anmachsprüche, ins Leere laufende Kussversuche, der zu tiefe Blick ins Dekollete – sehr unschön.

Was Männer am #Aufschrei ablesen können: Geschmacklose Sprüche sind nervig, Antatschen ist selten erwünscht, Anmachen, die sich im Arbeitskontext abspielen, sind äußerst heikel. Die Gratwanderung zwischen einem harmlosen Flirt und der Degradierung einer Frau zum Sexualobjekt hängt von der subjektiven Beurteilung der Beteiligten ab. Prinzipiell ist bei der Partnerwahl und –akquise Vorsicht geboten, das dürfen die Männer verstanden haben. Doch ich hoffe, dass sie dadurch nicht verzagen. Nicht nachlassen in ihrem oftmals unbeholfenen, peinlichen, oder männlich-forschem Bemühen um die weibliche Aufmerksamkeit und Gunst.

Unter #Würde verstehe ich: Wir müssen den Männern helfen.

Grenzen klar aufzeigen! Selbstbewusst agieren!

Sexueller Missbrauch, Rufmord, Diskriminierung, Nötigung – vieles von dem, was unter dem #Aufschrei der Frauen subsummiert wurde, ist nicht mehr in Grauzonen gelegen, sondern klar im schwarzen Bereich. Hier greifen das deutsche Recht und die deutsche Rechtsprechung. Die gesellschaftliche Begleitdebatte dazu ist wichtig und richtig, um das Thema zu highlighten –und doch nervt ein #Aufschrei, der selbstständig Grenzen verwischt, statt sie zu präzisieren. Er schwächt die eindeutigen Tatbestände, bei denen Frauen Not leiden, indem er sie mit Lappalien (wie küsschenwerfenden Bauarbeitern) zu einem anfechtbaren Einheitsbrei köcheln lässt.

Wenn ein Herr Brüderle einer jungen Dame in der gängigen gesellschaftlichen Form, nämlich durch einfache mündliche Verkündung, klarmacht, dass er sie als Frau wahrgenommen hat und für interessant/attraktiv befindet, sich einen Tanz mit ihr wünscht und im Gesprächskontext einbaut, dass er ihre weiblichen Formen wahrgenommen hat (jaja, der Dirndlkommentar), dann ist das für mich – ohne jeden Zweifel – im weißen Bereich. Plump, daneben, peinlich – vielleicht. Wohl aber auch nur deswegen, weil es eben nicht Brad Pitt war. Und hier wird offenkundig, dass „Frau“ würdelos mit zweierlei Maß misst.

Menschen, deren Anziehungskraft und/oder Interesse aneinander von Asymmetrie geprägt ist, sind zu Kommunikation verdonnert. Sie können (ach ja, so klassisch), nicht nicht kommunizieren. Sie kommunizieren definitiv ETWAS.

Und hier hakt die beispielhafte Bebilderung von würdevollem Frauengebaren ein:

Wir müssen den Männern helfen, die Realität einzuschätzen. Brüderle + die Journalistin: Ein Flirt, auf den sie keinen Bock hatte. Ein Flirt abseits der Berufspersonen, zwischen den Privatmenschen, dem sie sich jederzeit durch eine einfache Verabschiedung oder ein klares Statement hätte entziehen können.

So: „Herr Brüderle, ich finde das ehrlich gesagt nicht angebracht“ + aufstehen + gehen. Oder so: Ein verachtender Blick, rumdrehen, gehen. Oder so: *Sie träumen wohl – Träumen Sie weiter, ich gehe jetzt schlafen.“ Oder oder oder.

Verstehen Sie mich nicht falsch – die richtigen Worte sind leider oftmals schwer zu finden. Aber auf die legitime Interessensbekundung des Herrn mit einer verzögerten, grandios feindseligen Medienkampagne zu antworten, ist aus meiner Sicht wenig würdevoll.

Mehr noch: es stilisiert die „Frau von heute“ zu einem Opfer. Offenkundig: zu einer determinierten Opfergruppe. Und das macht mich wütend.

#Würde heißt für mich, differenzieren zu können.

1. Ein klares Nein zu unerwünschtem Buhlen. #Würde: Nein sagen. #Würde: In your face – Nein sagen.

2. Präzises Anklagen  gegen das, was mich diffamiert oder mir Leid an Körper und/oder Seele zufügt. #Würde: Sich wehren!

3. Darüber hinaus  dann die ehrliche, notwendige und fein nuancierte Diskussion zu dem, was eben nicht schwarz oder weiß ist: Machtmissbrauch mit sexueller Konnotation. Die „gläserne Decke“ für aufstrebende Karrierefrauen. Die zu frühe, zu starke Sexualisierung von Kindern über Medieninhalte. Die moderne Männerrolle. Die Dunkelziffer von häuslicher Gewalt. Die Rolle der Frau in verschiedenen Kulturen – und die schrecklichen, oftmals damit korrelierten, Menschenrechtsverletzungen.

Und und und. Wir haben Gesprächsbedarf. Wir müssen uns mit den Themen beschäftigen.  Aber in separaten Töpfen und im würdevollen Ton. Ich möchte: eine würdevolle Reflektion.

#Würde: Die Dinge beim Namen nennen.

#Würde: Wieder stolz sein, eine Frau zu sein.

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Ein Kommentar zu „#Würde ist der attraktivere #Aufschrei

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